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Definition von LOD/LOIN in internationalen Standards und technische Lieferstandards für LOD400

WeChat-Sync · Xiaowei · 2026-10-16

Definition von LOD/LOIN in internationalen Standards und technische Lieferstandards für LOD400

Text / Xiao Wei

Wer BIM macht, hat LOD ständig im Mund: Entwurf LOD200, Ausführungsplanung LOD300, Detailplanung LOD400. Doch kaum jemand fragt nach: In welchem Standard sind diese LOD-Zahlen eigentlich festgelegt? Was genau muss bei der Lieferung von LOD400 übergeben werden? Und wie ist LOD400 zuzuordnen, wenn der Bauherr mit ISO 19650 argumentiert? Dieser Beitrag erklärt die internationalen Standardquellen von LOD/LOIN, die chinesische Umsetzungspraxis sowie die konkreten technischen Lieferstandards für LOD400 auf Basis von ISO 19650 – alles auf einmal.

I. Die „Geburtsurkunde" von LOD: Die Zahlenskala stammt aus US-amerikanischen Verträgen, nicht aus ISO

Die 100–500-Skala von LOD (Level of Development) gelangte erstmals über das Dokument E202–2008 „BIM Protocol Exhibit" des American Institute of Architects (AIA) in Vertragstexte. Erstmals wurden Modellelemente in Vertragssprache nach Verlässlichkeit in fünf Stufen eingeteilt: 100 Konzept, 200 Annäherung, 300 Präzision, 400 Fertigung, 500 Bestand – und „Modelltiefe" wurde damit erstmals zu einer vereinbaren und einklagbaren Vertragsklausel.

Die fünf Stufen des AIA sind jedoch relativ grob, und die bauteilweise Umsetzung birgt große Mehrdeutigkeiten. Daher veröffentlichte BIMForum 2013 auf Branchennachfrage die erste Ausgabe der „Level of Development (LOD) Specification", die jede Stufe bauteil- und systemweise detailliert erläutert und jährlich aktualisiert wird; der AIA griff LOD später mit E203–2013 und G202–2013 auf Vertragsebene auf und begründete so das US-Modell „AIA legt Stufen fest + BIMForum verfeinert". Dabei ist LOD400 als Fertigungs-/Herstellungsstufe definiert: Modellelemente reichen aus, um Bauteilfertigung, Vorfertigung und Montage vor Ort zu unterstützen.

Hervorzuheben ist: Diese Zahlenskala ist ein Produkt des US-amerikanischen Branchenvertragssystems und kein ISO-Standard.

II. Die Antwort Europas und der ISO: Keine Zahlen, sondern „Informationsbedarfsstufen"

Die ISO-19650-Reihe (ab 2018) übernimmt keine LOD-Zahlen, sondern verwendet das Rahmenkonzept „level of information need (LOIN)". ISO 19650-1:2018 gibt in §3.3.16 eine Definition und legt in §11.2 den Grundsatz „so wenig wie nötig" fest – die Informationstiefe richtet sich nach der minimalen Informationsmenge, die zur Erfüllung des Bedarfs erforderlich ist; alles darüber hinaus ist Verschwendung.

Die eigentliche Methodik, „wie man die Tiefe klar beschreibt", liefert die europäische Norm EN 17412-1:2020 „BIM – Informationsbedarfsstufe – Teil 1: Konzepte und Grundsätze". Sie gliedert die Informationstiefe in drei Dimensionen: geometrische Informationen, alphanumerische Informationen, Dokumente; die geometrischen Informationen werden wiederum in fünf voneinander unabhängige Aspekte mit je einem Wertespektrum unterteilt: Detaillierungsgrad Detail (vereinfacht→detailliert), Dimensionalität Dimensionality (0D/1D/2D/3D), Position Location (absolut/relativ), Erscheinungsbild Appearance (symbolisch→realistisch), parametrisches Verhalten Parametric behaviour (vollständig/teilweise/nicht erforderlich). Die Einleitung der Norm stellt sogar ausdrücklich fest, dass „Abkürzungen für level of information need nicht verwendet werden sollten, um eine übermäßige Vereinfachung zu vermeiden" – also eine bewusste Abkehr von Abkürzungsskalen wie LOD.

ISO 19650-4:2022 verweist in §7.6 bei der Prüfung der „Vollständigkeit" des Informationsaustauschs genau auf EN 17412-1 als qualitative Methode. Das Verhältnis der drei lässt sich so zusammenfassen: ISO 19650 legt Konzepte und Prozesse fest, EN 17412-1 legt die Methodik fest, und die Projekt-EIR/BEP/TIDP legen die konkreten Werte fest.

Daraus ergibt sich eine häufig falsch formulierte und bei Prüfungen am leichtesten beanstandete Schlussfolgerung: Weder ISO 19650 noch EN 17412-1 definieren die Zahl LOD400. Das sogenannte LOD400 ist ein im EIR/BEP/TIDP des Projekts vereinbarter konkreter LOIN-Wert; sein Managementrahmen folgt ISO 19650, seine Zahlenskala BIMForum (oder national GB/T 51301), seine Methodik EN 17412-1.

III. Die chinesische Umsetzung: Von LOD zu den zwei Dimensionen {G,N}

In China wird die „Modelltiefe" in zwei Stränge aufgeteilt: Geometrie und Information. Die nationale Norm GB/T 51301-2018 „Standard für die Lieferung von Bauwerksinformationsmodellen im Design" teilt Modelleinheiten in vier Stufen LOD1.0–4.0 ein (Projekt-/Funktions-/Bauteil-/Teilebene) und erlaubt Erweiterungen zwischen den Grundstufen (daher LOD2.5/3.5); für Fertigteile im Fertigteilgebäude wird üblicherweise LOD3.0 plus N3 Produktionsinformationen plus eindeutiger Identifikationscode verlangt.

Der „Leitfaden für die Anwendung von Building Information Modeling in Shanghai (Ausgabe 2025)" (Hu Jian Jian Guan [2025] Nr. 238) verwendet darüber hinaus die zwei Dimensionen {Gn,Nn}: G1–G4 geometrische Genauigkeit, N1–N4 Informationstiefe, wobei G4 die Fertigungsstufe, N3 Bau- und Montage- plus Produktionsinformationen und N4 Anlagen- plus Wartungsinformationen bezeichnet.

Im Vergleich zur internationalen Systematik: Das nationale LOD400 (Ausführungs-/Fertigungsstufe) entspricht weitgehend der geometrischen Genauigkeit G4 plus Informationstiefe N3–N4 und ist mit den fünf geometrischen Aspekten nach EN 17412-1 in der Wertung „Fertigungsstufe" sowie alphanumerischen Produktions-/Anlageneigenschaften dieselbe Sache in anderer Formulierung.

IV. LOD/LOIN 400 auf Basis von ISO 19650: Konkrete technische Lieferstandards

Mit Kenntnis der Quellen und der Systematik muss die Umsetzung die Frage beantworten: „Was wird bei LOD400 eigentlich geliefert?" Am Beispiel des Projekts XXX, das ISO 19650 und die Golfnorm GSO befolgt, lassen sich die technischen Lieferstandards für LOD400 in sechs Ebenen zusammenfassen, die jeweils tabellarisch aufgeführt werden.

4.1 Managementrahmen: LOIN in die Vertragsunterlagen schreiben

ISO 19650-2:2018 verlangt: Der Projektinformationsstandard muss die „Methode zur Zuweisung der Informationsbedarfsstufe" enthalten (§5.1.4); der Auftraggeber legt im EIR für jede Informationsanforderung den level of information need fest (§5.2.1 b)); der Aufgaben-Informationslieferplan TIDP führt für jeden Informationscontainer den level of information need auf (§5.4.4); Informationsliefermeilensteine sind an kritische Entscheidungspunkte gekoppelt (§5.1.3, ISO 19650-1 §6.3.2). LOD400 ist daher kein mündliches Versprechen, sondern eine in EIR/BEP/TIDP geschriebene, überprüfbare Klausel.

4.2 Modellierungstiefe LOD400 in sechs Fachdisziplinen

In der LOD400-Phase wird nach Fachdisziplinen unabhängig modelliert und über die CDE gemeinsam koordiniert (ISO 19650-2 §5.3.3/§5.1.7). Die wesentlichen Punkte der Modellierungstiefe je Disziplin zeigt die folgende Tabelle:

Disziplin
Wesentliche Punkte der LOD400-Modellierungstiefe
Architektur
Bauteilgeometrie vollständig definiert; Familienparameter mit Herstellermodell und bauphysikalischen Kennwerten (U-Wert/SHGC/VLT); Pläne zu 100 % aus Modellansichten abgeleitet
Tragwerk
Fertigungsgerechte Geometrie der Fertigteile (G4); Bewehrung mit Durchmesser/Haken/Betondeckung/Abstand/Anzahl; Verpressmuffen mit Positionskoordinaten/Typ/Verpressmörtel; Modell direkt für die Werkstattfertigung im PC-Werk
Technische Gebäudeausrüstung
Rohrteilgeometrie mit Bögen/T-Stücken/Reduzierungen/Flanschen; Attribute mit Durchfluss/Druck/Temperatur/Leistung; Kollisionsprüfung der Leitungsführung mit geschlossenem A/B/C-Klassifizierungszyklus
Elektrotechnik
Gerätefamilien mit Hersteller/Typ/Leistung/Spannung/Schutzart; Photovoltaik mit Neigung/Ausrichtung/Modulleistung/Stringnummer; vollständige Zuordnungstabellen Stromkreis zu Verteiler
Gelände
Civil 3D und Architektur teilen dieselbe Koordinatenbasis; Leitungen mit Durchmesser/Gefälle/Überdeckung/Schachtnahmen; Geländehöhen und Erdgeschossniveau geschlossen abgestimmt
Kanalbauwerk
Fertigungsgerechte Geometrie der Verfahrensausrüstung + vollständige Typenschildparameter; SCADA-Messpunkte und CMMS-Anlagenmetadaten eins zu eins zugeordnet

4.3 Zehn Punkte der Detailplanung für Vorfertigung (MIC/PC)

Bei Fertigteilgebäuden ist der Kern von LOD400 die Kette „Modell-Detailplanung – Werkfertigung – Montage vor Ort"; die zehn Detailplanungspunkte und ihre Ergebnisse zeigt die folgende Tabelle:

Nr.
Detailplanungspunkt
Ergebnis
1
Geometrische Detailplanung der Module
Revit-Familie + Modulmontagemodell
2
Anordnung der Verpressmuffen
Muffenpositionsplan + Mengenliste
3
Einbetonierte Bewehrung
Bewehrungsdetail + Hakenwinkel + Betondeckung
4
Einbetonierte Leitungen (Wellrohr/Hüllrohr)
Leitungspositionsplan + Höhenlage
5
Scherverbinder
Position + Abmessungen der Scherverbinder
6
Verbundschicht
Dicke der Verbundschicht + Bewehrung
7
Attika
Attikadetail + Abdichtungsknoten
8
Modulanschlussknoten
Anschlussdetail + Verpressmörtel + Dichtung
9
Shop Drawings
Werkstattzeichnungen PDF+DWG (CDE direkt an Werk-MES)
10
Montagereihenfolge und temporäre Abstützung
Montagekonzept + 4D-Simulationsvideo

4.4 Lieferverzeichnis

Kategorie
Liefergegenstand
Format
Modell
Detailmodelle der sechs Disziplinen / offenes Austauschmodell / gemeinsames Kollisionsmodell
RVT / IFC 4.3 / NWD
Zeichnungen
Ausführungspläne + Shop Drawings + Fertigungs-/Teilungs-/Aussparungspläne
PDF / DWG
Daten
BOQ + Bauteilliste (Doppelkodierung); Kollisions-/Lichthöhenbericht
XLSX / BCF
Simulation
4D-Bausimulation + Montageanimation; 5D-Mengenermittlung
MP4 / NWD
Dokumente
BEP+MIDP+TIDP+Klassifikationskodierungsbasis; dreistufige Prüfprotokolle
PDF

Offenes Format gemäß ISO 19650-4:2022 Anhang A (IFC=ISO 16739-1).

4.5 Qualitätssicherung: dreistufige Prüfung + 6C-Prüfung

Prüfstufe
ISO-19650-Klausel
Wesentliche Punkte
Selbstprüfung
Teil 2 §5.6.3 + Teil 4 §6.1
QA-Prüfung; Selbstkontrolle des Erstellers vor Freigabe zur gemeinsamen Nutzung
Gegenseitige Prüfung
Teil 2 §5.6.4
Prüfung und Freigabe zur gemeinsamen Nutzung
Genehmigung
Teil 2 §5.6.5+§5.7.2/§5.7.4 + Teil 4 §6.2
Prüfung des Informationsmodells + zweistufige Autorisierung und Abnahme
Prüfungsdimension (ISO 19650-4 §7)
Wesentliche Punkte
CDE
Benennung und Metadaten, sichere Sichtbarkeit
Konformität Conformance
Prüfung nach Austauscharchitektur und Format
Kontinuität Continuity
Abgleich mit vorheriger Version/Status/Phase
Kommunikation Communication
Kein Qualitätsverlust bei der Konvertierung
Konsistenz Consistency
Keine doppelten Konflikte, keine widersprüchlichen Attribute
Vollständigkeit Completeness
Prüfung der Hinlänglichkeit nach LOIN gemäß EIR

4.6 Übergang zu LOD500

LOD400 ist die unmittelbare Vorstufe des LOD500-Bestandsmodells: Punktwolken-Scan zur Verifizierung der Übereinstimmung von Modell und Realität, vollständige Anlagenattribute an Bauteilen, COBie-Anlagentabelle, Übergang von PIM zu AIM (ISO 19650-2 §5.8.1, ISO 19650-3 Übergabepunkt B); Start acht Wochen vor Fertigstellung, vollständige Lieferung bei der Abnahme.

V. Drei praktische Sätze an die Kollegen

Erstens: Im Vertrag muss unbedingt klargestellt werden, welche Skala verwendet wird (LOD / {G,N} / LOIN-Aspektspektrum) und welcher Liefermeilenstein dazu gehört, um Streit durch die Vermischung zweier Systeme zu vermeiden. Zweitens: In externen Verweisen sollte nicht „gemäß ISO 19650 LOD400 erreicht" stehen, sondern „LOD400 ist der vereinbarte LOIN-Wert, Managementrahmen ISO 19650, Zahlenskala BIMForum/GB-T 51301, Methodik EN 17412-1". Drittens: Das Abnahmekriterium für LOD400 muss auf die neun Worte „werkstattfertigbar, bestellbar, montierbar" hinauslaufen; Zeichnungen, Listen und Animationen sind alle unverzichtbar.

LOD ist kein Patent eines bestimmten Standards, sondern eine Branchensprache, die sich schrittweise von US-amerikanischen Verträgen über europäische Methodik bis zum ISO-Informationsmanagementrahmen herausgebildet hat. Nur wer ihre Quellen und Grenzen versteht, kann LOD400 von einem Schlagwort in einen überprüfbaren, lieferbaren und einklagbaren technischen Standard verwandeln.

ENDE

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