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Erkenntnisse und Untersuchungen zum gesamten Lebenszyklus von BIM

WeChat-Sync · Xiaowei · 2024-10-14

Li Luyang (Hunan Hengchuang Architectural Design Co., Ltd., Changsha)


Zusammenfassung

Ausgehend vom gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes unterteilt dieser Beitrag die Umsetzung eines Bauvorhabens entsprechend ihrem Ablauf in drei Phasen und analysiert und diskutiert einführend die Merkmale der BIM-Modelle sowie die Qualitätsprüfungsstandards in jeder Phase; daraus werden gezielte Empfehlungen und Umsetzungskonzepte abgeleitet. Abschließend werden einige derzeit verbreitete Auffassungen kritisch betrachtet, die Schwerpunkt- und Schwierigkeitsprobleme der nächsten Stufe benannt – und der Entwicklung von BIM werden große Hoffnungen entgegengebracht.
Schlüsselwörter: gesamter Lebenszyklus, physisches Gebäude, virtuelles Gebäude, Datenformat, einheitlicher großer Markt.

Einleitung

Das Bauwesen zählt zu den grundlegenden Branchen der Volkswirtschaft; seine Bedeutung ist unbestreitbar. BIM gilt Fachleuten allgemein als der unumgängliche Weg, um als Hebel für die Modernisierung und Umgestaltung der Bauindustrie eine qualitativ hochwertige Entwicklung des Bauwesens zu fördern. Die Entwicklung von BIM verlief jedoch nicht zufriedenstellend; entscheidende Etappen wurden immer wieder verschoben. Der Autor sieht dafür im Wesentlichen folgende Ursachen: unzureichende Erkenntnis, unwissenschaftliche Methoden und unzureichende Investitionen.


1 BIM in Vergangenheit und Gegenwart

In den 1970er-Jahren stellte Professor Charles M. Eastman von der Carnegie Mellon University das grundlegende Konzept von BIM vor, nämlich das Gebäudebeschreibungssystem, eine computergestützte Beschreibung von Bauwerken, mit deren Hilfe sich Bauprojekte visualisieren und quantitativ analysieren lassen, um die Effizienz der Bauausführung zu steigern.

Mit der Weiterentwicklung von Computerhardware und -software wurde der Begriff „Building Information Modeling“ (BIM) erst im Jahr 2002 offiziell geprägt, als das US-amerikanische Unternehmen Autodesk die Revit-Softwarefirma übernahm und den Begriff aus Gründen der Marktdurchdringung einführte. In den mehr als zwanzig Jahren danach haben zahlreiche Softwareanbieter im In- und Ausland eigene BIM-Programme auf den Markt gebracht und die Leistungsfähigkeit ihrer Software maßlos übertrieben, um im Wettbewerb einen größeren Marktanteil zu erringen.

Von dem von Autodesk geprägten Begriff „Building Information Modeling“ bis hin zu dem im Projektmanagement inzwischen anerkannten „Building Information Mangement“ wird die Definition von BIM immer umfassender; auch die ihm zugeschriebenen Funktionen und Anforderungen werden immer zahlreicher.

Finith E. Jernigan hat in seinem Buch „Big BIM, kleines bim“ den Entwicklungsprozess des BIM-Konzepts anschaulich beschrieben: Das kleine bim gleicht der Computertechnik vor dem Aufkommen des Internets; etwa ab 1996 war das kleine bim einer Computertechnik vergleichbar, die sich in lokale Netze einklinken konnte, und begann den Übergang zur vollständigen Verbindung mit dem Internet. Das große BIM gleicht einem vollständig in das Netz integrierten Personal Computer, der mit dem Internet vollkommen verschmolzen ist.

Von dem Konzeptprototyp von Charles M. Eastman über das „Building Information Mangement“ im Projektmanagement bis hin zur vollständigen Integration in das Internet, weiten sich Inhalt und Umfang des BIM-Konzepts beständig aus; BIM entwickelt sich ständig weiter. BIM ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema.


2 Verständnis des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden


 2.1 Der herkömmliche gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes

Der gesamte Lebenszyklus ist ein wichtiges Merkmal von BIM: Ein virtuelles Modell führt Projekt und Team an und ist eng mit dem Internet verzahnt; über den Aufbau großer Datenplattformen wird die Art der Zusammenarbeit im Bauwesen grundlegend verändert. Die US-amerikanische Organisation bSa (building SMART alliace) hat die Fragen der BIM-Anwendung über den gesamten Lebenszyklus von Bauprojekten recht ausführlich zusammengefasst. Auch einschlägige Bücher im Inland haben eine klassische Übersichtsgrafik erstellt (Abbildung 1).


Abbildung 1 Der herkömmliche gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes 

Die herkömmliche Grafik des gesamten Lebenszyklus veranschaulicht lediglich den Gesamtprozess eines Bauprojekts von Beratung und Planung über Bau und Betrieb bis zum Rückbau, ohne die besonderen Bedingungen der einzelnen Phasen tiefergehend zu untersuchen; sie kann daher die Schwerpunkte von BIM in den einzelnen Phasen sowie geeignete Förderstrategien nicht erfassen.


2.2 Der neue gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes

Das neue Schema des gesamten Lebenszyklus (Abbildung 2) ist stimmiger: Gestützt auf das dreidimensionale virtuelle Gebäude zieht es sich in der digitalen Welt durch den gesamten Lebenszyklus, während in der realen Welt das physische Gebäude errichtet wird. Damit lässt sich der gesamte Lebenszyklus von BIM in drei Phasen gliedern: das BIM für Beratung und Planung (kurz Planungs-BIM), das BIM für die Bauausführung (kurz Bau-BIM) und das BIM für Betrieb und Instandhaltung (kurz Betriebs-BIM).



Abbildung 2 Der neue gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes 

2.2.1 BIM für Beratung und Planung

Auf dem Markt gibt es eine große Zahl von BIM-Programmen – nicht weniger als ein gutes Dutzend –, doch nur wenige erfüllen wirklich die Anforderungen der Planer. Nach den geltenden Gesetzen und Verordnungen gelten gestempelte zweidimensionale Zeichnungen als rechtsverbindliches Lieferergebnis; die Etablierung, Entwicklung und Ausreifung eines solchen Systems bemisst sich in Jahrhunderten. Der Kern der BIM-Software ist das dreidimensionale virtuelle Gebäude; ihr angeborener Vorteil liegt in der Modellübergabe. Da jedoch Gesetze und Systeme an die Übergabe zweidimensionaler Zeichnungen gebunden sind, bleibt es über lange Zeit eine wichtige Eigenschaft von BIM-Software, dreidimensionale virtuelle Modelle in zweidimensionale Zeichnungen zu überführen, die den geltenden Gesetzen und Verordnungen entsprechen.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse müssen für eine gute Entwicklung von BIM ein Regelwerk sowie ein System von Bewertungsstandards für die Modellqualität geschaffen werden, das für die Übergabe dreidimensionaler virtueller Modelle geeignet ist. Das Übergabemodell über zweidimensionale Zeichnungen ist nicht das beste, aber vergleichsweise nicht das schlechteste; die Qualität der Übergabe dreidimensionaler Modelle ist am höchsten, doch die flankierenden Strukturen fehlen (diese „Flankierung“ gehört im Sinne der Wirtschaftswissenschaften zur Pfadabhängigkeit). Nutzt man die WYSIWYG-Eigenschaften von BIM-Modellen, so lassen sich auf der Grundlage eines hinreichenden gemeinsamen Verständnisses aller Projektbeteiligten die realen Mengen des Gebäudemodells (Zement, Sand, Bewehrungsstahl) in Echtzeit erfassen und die Genauigkeit dieser realen Mengen als objektiver Maßstab zur Bewertung der BIM-Modellqualität heranziehen; als ergänzendes Parallelsystem zur bestehenden Übergabepraxis mit zweidimensionalen Zeichnungen sollte das derzeit verbreitete, völlig nutzlose und ressourcenverschwendende BIM-Prüfverfahren verworfen werden. Der größte Vorteil der realen Mengen (Zement, Sand, Bewehrungsstahl) des BIM-Modells besteht darin, dass sie im Bauprozess verifiziert werden können: Der Bauherr bzw. die zuständigen staatlichen Stellen können die positiven und negativen Abweichungen zwischen den realen Mengen des BIM-Modells und den bei der Fertigstellung tatsächlich verbrauchten realen Mengen (Zement, Sand, Bewehrungsstahl) als Maßstab für die Qualitätsbewertung des dreidimensionalen Modells im Planungs- und Beratungs-BIM heranziehen, einen vergleichsweise objektiven Anreiz- und Sanktionsmechanismus umsetzen und so die hochwertige Entwicklung des Planungs- und Beratungs-BIM vorantreiben.

2.2.2 BIM für die Bauausführung 

Eine Tatsache, die man nicht beschönigen sollte: Bauunternehmen haben die stärkste Motivation zur BIM-Einführung und erzielen die meisten Ergebnisse. Der Grund liegt darin, dass sie die natürlichen Vorteile des virtuellen BIM-Gebäudemodells voll ausschöpfen und die Nachteile der Umwandlung virtueller Modelle in zweidimensionale Zeichnungen umgehen. Wegen struktureller Zwänge und fehlender Fachkräfte stammen die meisten BIM-Modelle in Bauunternehmen von Personal mit einem Hintergrund in der technischen Gebäudeausrüstung, das die Modelle durch Rückmodellierung aus zweidimensionalen Zeichnungen erzeugt. Wegen des fachlichen Grunddefizits werden dabei oft nur offensichtliche Probleme wie Leitungs- und Rohrkollisionen erkannt; man verliert sich in der Korrektur von Qualitätsmängeln zweidimensionaler Zeichnungen und weicht damit von der richtigen Entwicklungsrichtung des Bau-BIM ab.

Der in der Branche übliche Maßstab zur Bewertung der Bauausführung lautet vereinfacht: termingerecht, in der geforderten Qualität und Menge fertigstellen. Im Zeitalter der Übergabe zweidimensionaler Zeichnungen haben nur wenige Projekte das wirklich erreicht. Zunächst zur Qualität: Schon an der Quelle weisen zweidimensionale Zeichnungen Qualitätsmängel auf, die Bauunternehmen während der Ausführung üblicherweise ausgleichen müssen – gute Bauunternehmen beheben die Zeichnungsmängel, schlechte verstärken sie noch. Zum Arbeitsumfang: Zweidimensionale Zeichnungen bilden räumliche Beziehungen nur unzureichend ab, die Ermittlung des Arbeitsumfangs stützt sich auf manuelle Erfahrungswerte. Die Überwachung und Kontrolle auf der Baustelle erfolgt praktisch von Hand; unerfahrene Baustellenleiter können den tatsächlichen Arbeitsumfang kaum wirksam steuern, was letztlich dazu führt, dass die Abrechnung die Vorgaben überschreitet. Schließlich zur Bauzeit: Unter dem bestehenden technischen System verzögern sich fast 90 % der Baustellen. Die Hauptaufgabe des Bau-BIM besteht darin, diese drei Probleme zu lösen und das Projekt termingerecht in Qualität und Menge fertigzustellen. Auf der Grundlage hochwertiger Bau-BIM-Modelle lässt sich die Konzentration auf den Bauprozess richten, die Abläufe wissenschaftlich organisieren und neue Technologien aktiv einsetzen; damit stehen für Zeitersparnis und Qualitätssteigerung verlässliche technische Wege offen.
2.2.3 BIM für Betrieb und Instandhaltung

Das nach der Fertigstellung betriebene physische Gebäude ist in gewissem Sinne das physische Zwillingsgebäude des virtuellen BIM-Gebäudemodells in der realen Welt. Das virtuelle BIM-Gebäude trägt die von physischen Gebäuden erzeugten und gesammelten Daten und Informationen und kann als digitales Gebäude bezeichnet werden: Es stammt zwar aus der Bauindustrie, geht aber über sie hinaus. Nur wenn sich das digitale Gebäude von der Bauindustrie löst, neue Technologien wie Big Data, Cloud Computing und das Internet der Dinge aktiv aufgreift und in ein neues, integriertes Feld eintritt, kann es zu einem digital-intelligenten Gebäude heranreifen.

Vor einigen Jahren hat Hangzhou mithilfe der Cloud-Dienste von Alibaba die Anwendungen des „City Brain“ an der vordersten Front erprobt. Nach dem begrenzten Einblick des Autors in die einschlägigen Unterlagen wurde bisher vor allem in den unterirdischen Leitungsgängen sowie bei der öffentlichen Wasser- und Stromversorgung digitalisiert; in anderen Bereichen ist nur ein grobes Gerüst entstanden, das noch weit davon entfernt ist, die realen Bedürfnisse der breiten Bevölkerung im Alltag zu erfüllen.

Ohne die flächendeckende Anwendung von BIM-Technologie und ohne die Verwirklichung digitaler Gebäudezwillinge wäre ein Gebäude gleichsam ein Gebäude ohne Gehirn – wie könnte es dann das „City Brain“ stützen und eine intelligente Stadt ermöglichen? Aufbauend auf BIM-Modellen lässt sich durch digitale Gebäudezwillinge und unter Einbindung von Zukunftstechnologien wie Big Data eine tiefgehende Analyse der von Gebäuden erzeugten Daten erreichen; durch Dezentralisierung der Daten und verteiltes Rechnen lässt sich der Druck auf die zentrale Rechenkapazität verringern. Auch unter dem Gesichtspunkt des technischen Wegs ist dies ein Entwicklungsprozess vom Leichten zum Schweren und vom Punkt zur Fläche, dessen Ergebnisse sich leichter erzielen lassen.

Eine noch dringendere Anwendung des digitalen Zwillingsgebäudes besteht darin, über Drohnen vor Ort Daten zu erfassen und die Gebäude der realen Welt mit den digitalen Gebäuden abzugleichen; so lässt sich der Ist-Zustand städtischer Gebäude wirksamer überwachen und rechtswidriges Bauen wirksam eindämmen. Für digitale Zwillingsgebäude, bei denen BIM-Technologie in Planung und Bau systematisch angewandt wurde und die die Abnahme bestanden haben, wird empfohlen, dass die Archive sie nach angemessenen Maßstäben ankaufen, um das digitale Vermögen der Stadt zu bilden; den späteren Betrieb übernehmen die Archive zentral, die das digitale Vermögen extern verleihen oder verkaufen und so stabile Erträge erzielen. Wenn der Staat den Anstoß gibt und anschließend ein kontinuierlicher Betrieb folgt, lassen sich einerseits der finanzielle Druck mindern und andererseits das ungeordnete Konkurrieren sowie faktische Monopolisieren durch kapitalgesellschaftliche Betreiber vermeiden; zugleich ist dies ein weiterer Lösungsansatz für die anfänglichen Investitionen in den digitalen Aufbau der Städte.


3 Der Realität unzureichender Investitionen ins Auge sehen und eine geeignete Politik formulieren
Das BIM für Beratung und Planung und das BIM für die Bauausführung gehören ihrem Wesen nach weiterhin zum Bauwesen. Nach Angaben des American Institute of Architects sparen Projekte mit korrekt umgesetztem BIM Investitionen und Bauzeit ein; im Ausland sind dafür keine zusätzlichen BIM-Investitionen erforderlich. Freilich hängt dies auch mit der Art der Generalunternehmervergabe und des Vertragsabschlusses zusammen und ist ein Thema für sich.
Was die tatsächliche Lage im Inland betrifft, so überschreiten die Projektinvestitionen häufig das Budget, und auch die Bauzeiten überziehen den Plan. Das belegt, dass die den Budgets und Bauzeitenplänen zugrunde liegenden Basisdaten fehlerhaft sind – oder dass der Zuschlag an ein ungewöhnlich niedriges Angebot gegangen ist und der Auftragnehmer während der Umsetzung bewusst Budget und Bauzeit überzieht, um die Verluste aus dem Niedrigstpreisangebot auszugleichen. Angesichts der mehr als zwei Jahrzehnte währenden rasanten Immobilienentwicklung sind die meisten Planungs-, Beratungs- und Bauunternehmen mehr oder weniger den rauen Weg der Nachlässigkeit gegangen – ganz im Sinne des Sprichworts „schnell verkaufte Radieschen werden nicht gewaschen“; es fehlten ihnen Energie und Fähigkeit, BIM umfassend zu erkennen und zu erforschen, und diese Bereitschaft und dieses Können gingen verloren. Der Staat muss daher in der Anfangsphase die notwendige Führung und Unterstützung leisten.
Das Ministerium für Wohnungswesen und Stadt-Land-Entwicklung (MOHURD) fordert die lokalen Regierungen auf, die BIM-Mittel in der Phase der Projektinvestition gesondert auszuweisen; doch nach der tatsächlichen Lage in den Provinzen gibt es nur wenige Projekte mit gesondert ausgewiesenen BIM-Mitteln. Bei genauerer Betrachtung der Gründe: Zwischen Aufwand und Ertrag besteht kein zwingender Zusammenhang, sodass sich keine entsprechenden Bewertungsmaßstäbe festlegen lassen. Nach der Analyse des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden müssen die Bewertungsmaßstäbe den Besonderheiten von Planungs-BIM und Bau-BIM entsprechen. Beim Planungs-BIM sind die Planungsmengen des virtuellen Gebäudes (Zement, Sand, Bewehrungsstahl) mit den tatsächlichen Mengen des fertiggestellten Gebäudes (Zement, Sand, Bewehrungsstahl) zu vergleichen; eine positive oder negative Abweichung innerhalb eines bestimmten Bereichs dient als Bewertungsmaßstab, um die Planungs- und Beratungsunternehmen zu zwingen, BIM-Technologie aktiv anzuwenden und die positive oder negative Abweichung zwischen Planungsmengen und Fertigstellungsmengen zu verringern. Beim Bau-BIM sind die geplante Bauzeit und die tatsächlich benötigte Bauzeit zu vergleichen; auch hier dient eine positive oder negative Abweichung innerhalb eines bestimmten Bereichs als Bewertungsmaßstab. Solche Bewertungsmaßstäbe sind klar und verlässlich; mit jeder weiteren Stichprobe werden die Daten nur genauer und die Abweichungen aussagekräftiger. Daraus wird – entsprechend der tatsächlichen Lage der BIM-Einführung im Inland – eine Empfehlung in zwei Schritten formuliert. 
Zunächst wird ein Teil der im Budget vorgesehenen Rückstellungen (unvorhergesehene Kosten) als gesondert ausgewiesene BIM-Mittel verwendet. Das hat drei Vorteile: Erstens ist die Finanzierungsquelle der BIM-Investitionen gesichert, ohne dass das Projekt insgesamt mehr Mittel aufwendet; zweitens bringt es die gegenwärtige Unvorhersehbarkeit der BIM-Investitionen zum Ausdruck: Wird BIM-Technologie korrekt umgesetzt und überschreiten weder die realen Mengen bei der Fertigstellung noch der tatsächliche Bauzeitenplan die Vorgaben, so entsteht eine Win-win-Situation für Investor, Bauherrn, Planungs- und Beratungsseite sowie Bauunternehmen; drittens verlangt die Gesetzgebung, die der Entwicklung hinterherhinkt, dass Investor, Bauherr, Planungs-/Beratungsseite und Bauunternehmen zunächst vorangehen und Modellversuche wagen. 

Zum anderen sind BIM als reguläre Technologie und regulärer Prozess für Bauherren, Planungs-/Beratungsunternehmen und Bauunternehmen richtig anzuleiten und verbreitet anzuwenden; damit wird die Aufwertung der gesamten Baubranche zum großen Trend. Sobald genügend BIM-Daten gesammelt sind, kann die gesonderte Ausweisung von BIM-Mitteln gegebenenfalls entfallen.

4 Einige wichtige Fragen der BIM-Umsetzung
 4.1 Das Problem der Datenaustauschformate
Das planungsorientierte BIM benötigt Funktionen, die den Anforderungen der Planer genügen; das bauorientierte BIM solche, die den Anforderungen der Bauleiter genügen; und beim betriebsorientierten BIM sind die geforderten Funktionen erst recht vielfältig und bunt. Dass ein einziges Programm bzw. eine einzige Softwareart die Anforderungen aller Beteiligten erfüllt, ist praktisch unmöglich. Deshalb hat die internationale Organisation buildingSMART das Konzept openBIM vorgeschlagen: Fachleute aller Gewerke arbeiten mit der jeweils für ihr Fachgebiet geeigneten Software und tauschen Daten über allgemein gebräuchliche Standards und Formate wie IFC (Abbildung 3), BCF, DWG und PDF aus. Der IFC-Standard ist öffentlich und offen; er wird weder von Softwareherstellern monopolisiert, noch besteht ein Problem der technologischen „Blockade am Hals“, und er ist eine vergleichsweise gute Wahl. Allerdings sollte der Staat eine gemeinnützige Einrichtung schaffen, die sich an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des IFC-Standards beteiligt.

Abbildung 4 Austausch von IFC-Dateimodellen 
4.2 Manipulationssicherheit bei der Datenübertragung

Im zweidimensionalen Zeitalter lieferte die gesamte Branche ihre Ergebnisse über zweidimensionale Zeichnungen aus; insbesondere die gestempelten Blaupausen besaßen den Status rechtsverbindlicher Dokumente und zugleich die natürliche Eigenschaft, dass die Daten nicht verfälscht werden konnten. Im BIM-Zeitalter, in dem alles eng mit dem Internet verzahnt ist, erfolgt die Datenübertragung über Netzwerke; es muss daher ein Mechanismus entwickelt werden, der sicherstellt, dass Daten während der Übertragung nicht versehentlich verloren gehen und vor böswilliger Manipulation geschützt sind. Nur dann lässt sich eine dreidimensionale Übergabe mit rechtlicher Bedeutung verwirklichen, die den Rechtsstatus gestempelter Blaupausen besitzt. Insbesondere sind die derzeit verbreiteten irrigen Auffassungen und Mechanismen wie „Übereinstimmung von Zeichnung und Modell“ und „BIM-Prüfung“ von Grund auf zu korrigieren: Sie lösen weder technische noch rechtliche Probleme, sondern verursachen nur eine Verschwendung von Ressourcen der gesamten Branche und der Gesellschaft.

4.3 Das Baukostensystem

Im zweidimensionalen Zeitalter war die Mengenermittlung wegen der begrenzten technischen Mittel sehr grob; die Arbeitsmengen mussten von Hand berechnet werden – mühsam und ungenau zugleich. BIM-Software erhöht die Genauigkeit und Detailtiefe der Mengenermittlung erheblich, doch das Baukostensystem hat nicht Schritt gehalten: Es verwendet weiterhin das herkömmliche, auf Verbrauchsnormen und Leistungsverzeichnissen beruhende Kostenwesen, wodurch Anwendung und Entwicklung von BIM eingeengt werden. Es muss daher ein Baukostensystem geschaffen werden, das auf die BIM-gestützte Mengenermittlung zugeschnitten ist.

4.4 Der einheitliche große Markt

Mit der Durchsetzung eines einheitlichen großen Marktes sollen Bauprodukte zur Eigenschaft gewöhnlicher Waren zurückfinden. Auch Bauprodukte sind aus der Perspektive des Handels Waren; doch durch ihre tiefe Verflechtung mit Grund und Boden sowie technische Beschränkungen sind sie zu tief individualisierten Waren geworden, die einzigartig und regional geprägt sind, was ihre Eigenschaft als gewöhnliche Waren einschränkt. Durch die Entwicklung von BIM-Technologie und BIM-Prozessen sind die Kosten für die Datensimulation dreidimensionaler virtueller Gebäudemodelle stark gesunken; auch wenn Bauprodukte weiterhin einzigartig und regional geprägt bleiben, lassen sich doch die meisten ihrer Bauteile und Bauabläufe in universell anwendbare Standardbauteile und Standardbauverfahren zerlegen, die durch Datensimulation erprobt und iteriert werden können, um Verschwendung bereits an der Quelle zu verringern. Die heute verbreiteten Fertigteilgebäude können, da ihnen die Fähigkeit zur Datensimulation fehlt, in der Umsetzung oft nur auf eine begrenzte Zahl von Bauteilherstellern zurückgreifen und bleiben individualisierte Waren, deren Kosten nicht sinken. Die meisten Fertigteilgebäude sparen zwar vom Prinzip her Baukosten und Bauzeit, sind in der Praxis aber nicht besser und schneller als herkömmliche Ortbeton-Stahlbetonkonstruktionen. Bei richtigem Einsatz des BIM-Informationsflusses können Bauteilhersteller die BIM-Informationen des Gebäudes frei beziehen, durch Simulation entsprechend ihren eigenen Stärken Fertigteile produzieren, die den Anforderungen des Gebäudes entsprechen, und den Bauunternehmen Fertigung und Preise anbieten; die Bauunternehmen können über das BIM-Modell virtuell prüfen, ob die Bauteile des Herstellers den Anforderungen genügen, und frei entscheiden, ob sie sie beschaffen. Auch wenn das Gebäude als Ganzes eine tief individualisierte Ware bleibt, besitzen seine Bauteile die Eigenschaften gewöhnlicher Waren: Durch den Wettbewerb auf dem einheitlichen großen Markt werden die Ressourcen voll ausgeschöpft, Qualität und Effizienz deutlich gesteigert und das Ziel einer qualitativ hochwertigen Entwicklung des Bauwesens erreicht.


5 Fazit
 Auch wenn die Popularität von BIM in den letzten Jahren nachgelassen hat, entspricht sein Kern weiterhin der künftigen Entwicklungsrichtung des Bauwesens.Die breite Masse der Beschäftigten muss von der Warte der Philosophie aus der Methodik großes Gewicht beimessen, Geburt und Entwicklung von BIM aus technischer wie gesellschaftlicher Sicht wissenschaftlich verstehen, die Besonderheiten der einzelnen Phasen der BIM-Einführung erfassen und gezielt geeignete Maßnahmen formulieren, um die grundlegenden Probleme zu lösen – damit der Weg der qualitativ hochwertigen Entwicklung immer breiter wird.

Literaturverzeichnis:

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END

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